Meine erfahrungen mit der Klinge
At A Glance
Author Azrael-Seth
Contact Azrael-Seth@bme.anon
IAM Azrael-Seth
When Three months ago
Artist Selbstgemacht
Studio Zuhause
Location Saarland
Ich möchte hier Heute von etwas berichten, was mich nun schon länger beschäftigt und wozu ich auch gerne mal meinen persönlichen Standpunkt äussern würde.

Als ich noch jünger war, ich glaube das erste Mal habe ich es mit 13 gemacht, hatte ich wie so viele Jugendliche mit allem möglichen Dingen, die das erwachsenwerden so mit sich zieht, Probleme und griff hin und wieder zu einem Messer, um mich zu zerschneiden. Mal waren es nur ein, zwei Schnitte, mal 30, 40. Das gefühl, die Klinge wie ein Stück heissen Draht durch meine Haut gleiten zu fühlen, war mir jedesmal ein Zeichen, weiterzumachen - ich fühlte mich wieder ein Stück lebendiger, und ich konnte durch dieses Verhalten mir häufig selbst helfen. Viele meiner "Freunde" verstanden dieses Verhalten (bzw. verstehen es heute noch nicht) damals überhaupt nicht und stapelten mich als einen Verrückten ab, ohne zu verstehen, das es manche Menschen unter ihnen gibt, die Schmerzen als etwas positives, etwas befreiendes ansehen.

Im laufe der Zeit bemerkte ich, das mir Schmerzen nicht nur halfen, Probleme besser meistern zu können und mir die Art Trancezustand, in der ich mich während des schneidens befand, einen anderen Standpunkt aufzeigen konnte, sondern mir fiel auch auf, das es wie etwas war, das ich zwischendurch einfach mal brauchte - in unregelmäßigen Abständen, ohne jederlei Zwang - und mich in gewisser Art und Weise befriedigte.

Ich geniesse es auch, hin und wieder mit heissem Kerzenwachs oder ähnlichem zu spielen, ich stehe jedoch nicht auf Sado Maso - es besteht bei mir eine klare Trennung zwischen meinen persönlichen Erfahrungen mit Schmerzen und meiner Sexualität, das möchte ich am Rande ganz klar erwähnen, da ich früher oft hören musste "das ist bestimmt so ein Perverser, der auf S&M steht" (nicht das ich hier Menschen mit derartigen Vorlieben negativ darstellen wollte!).

Vor etwa vier Monaten war es das letzte mal soweit - ich spürte den ganzen Tag schon, das sich etwas anbahnte, und Abends realisierte ich, das ich mich schon den ganzen Tag unterbewusst auf dieses spezielle Ritual gefreut hatte. Sorgfältig bereitete ich alles vor - ich dunkelte mein Zimmer ab, legte atmosphärische Musik auf (ich hörte, sofern ich mich recht erinner, melodiösen Black Metal, meines Erachtens nach wegen der Härte und den trotzdem klaren, teilweise melancholischen Melodien eine wunderbar passende Musik) und legte mir eine geignete Klinge heraus. Ich benutzte kein Messer, sondern griff auf die Klinge eines Bleistiftspitzers zurück, da diese zwar durchaus sehr scharf war, aber trotzdem nicht die reinheit einer Messerklinge besitzt, weswegen der Schmerz beim schneiden mehr einem Brennen gleicht.

Nun war es soweit - ich spürte diese besondere Stimmung, fühlte mich eins mit der dunkelheit in meinem Zimmer, den Klängen und Melodien der Musik, es war einfach perfekt. Ich machte mir nicht von vorneherein Gedanken darüber, welche Stelle ich dieses mal schneiden wollte, ich liess mich einfach von meinem innerem Gefühl leiten. Ich landete bei meinem linkem Schienbein.

Der erste Schnitt war noch etwas zaghaft, vielleicht drei Centimeter lang, dennoch perlten recht schnell kleine Mengen an Blut herab, was mich in Verbindung mit dem grossartigen, brennendem Gefühl dazu motivierte, weitere, größere Schnitte zu wagen. Ich ging gefühlsmässig recht Systematisch vor. Erst schnitt ich langsam genau am Schienbein, vom Knöchel angefangen immer weiter hoch bis hin zu der unteren Kante meines Knies. Zwischendurch tropfte ich immer wieder mit einem Taschentuch das Blut, das zwar nicht floss, aber in verschieden großen Perlen, die ich persönlich sehr ästhetisch finde, auf meiner Haut bzw. auf den Schnitten lag, ab. Dieses Taschentuch wurde durch die Abdrücke von roten Punkten und Strichen zu einem seperatem, kleinem Kunstwerk. Nachdem ich diese erste "Bahn" direkt auf dem Schienbein zuende gestellt hatte, entschied ich mich, immer abwechseln links und rechts davon schnitte anzubringen. Sie fielen nie länger als vier bis fünf Centimeter aus, aber dafür wahr ihre Zahl dieses mal weitaus höher als sonst - ich schätzte sie auf gut 80, 90, wenn nicht sogar einhundert Schnitte. Ich schnitt solange, bis mein Gefühl mir sagte, das es nun erledigt war.

Nachdem ich dieses Ritual zuende gestellt hatte, war ich in einem sehr glücklichem Zustand - ich fühlte mich eins mit der Welt, ein Zustand, den mir bisher keine andere Aktivität oder Droge oder sonstiges mir so gut geben konnte.

Leider habe ich von diesem Abend keine Bilder, da ich keine Digitalcamera besitze, weswegen ich leider keine Bidler nachreichen kann - aber dieses Aben wird sicherlich nicht der letzte seiner Art bleiben, da ich dieses Gefühl und diesen Zustand nicht mehr missen möchte, und ich weiss genau - es wird immer ein nächstes mal geben.

Es würde mich sehr freuen, wenn euch dieser Erfahrungbericht einen kleinen Einblick in die Welt eines "Selbstverstümmlers" gegeben hat und euch vielleicht sogar geholfen hat, Leute wie mich besser bzw. überhaupt ein kleines bisschen mehr zu verstehen. Ein kleiner, aber wichtiger Rat von mir am Rande - wenn ihr Freunde habt, die sich nicht wie ich aus Gründen des guten Gefühls wegen, sondern aus Verzweiflung und Depression heraus zerschneiden - stempelt sie nicht aus verrückt ab, geht zu ihnen hin, redet sehr viel mit ihnen, seit für sie da - sie brauchen euch! Es ist keine Krankheit, sondern eine extreme Form, mit Problemen umzugehen - wobei ich persönlich denke das Leute, die ihre Probleme in Alkohol ertränken, weitaus schlimmer dran sind, aber das ist nicht Bestandteil dieses Erfahrungsberichts.

Wenn ihr mich kontaktieren wollt würde ich mich sehr über Nachrichten an meinen Iam Account, über ICQ (die Nummer ist 131527917) oder eMail (Azrael-Seth at gmx dot de) freuen. Ich werde auch auf jeden Fall jede Nachricht an mich beantworten.

Nun möchte ich mich wieder mit den Worten "Let's freak the world!" verabschieden.


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