Mein erstes Intimpiercing liess ich mir letzten Sommer stechen. Das war ein ziemlich mutiger Schritt für mich kleine verklemmte Person (ich hab schließlich noch nie jemanden das 'da unten' angucken lassen). Nachdem ich monatelang fast jeden Tag Erfahrungsberichte auf BME gelesen hab, traute ich mich schließlich - trotz Freund, der das alles gar nicht so toll fand - doch in ein Piercingstudio. Damals fiel die Wahl auf ein horizontales Clitoral Hood. Das Ausziehen war unangenehm, das Stechen dann aber nicht schlimm, die Heilung erfolgte schnell und problemlos. Nachdem ein kleinerer Ring eingesetzt wurde, war ich absolut glücklich - zugleich sah das kleine Ding dort unten doch stets etwas einsam aus. Nach den positiven Erfahrungen sollte sich also schnell ein 'großen Bruder' an seine Seite gesellen.
At A Glance Author Ina Contact Ina@bme.anon When A week ago Artist Andrea Studio Deep Metal Location Dortmund Ein wenig Recherche genügte und ich wusste, ich wollte ein Triangle. Nicht nur, dass es wunderbar zu meinem HCH passen würde, auch die stimulierenden Wirkungen, die diesem Piercing nachgesagt werden, waren für mich interessant. Die Entscheidung fiel bereits im September, leider fand ich kein Piercingstudio in der Nähe, das ein solches Piercing im Programm hatte. Übers Internet fand ich eine vertrauenswürdige und erfahrene Piercerin in Dortmund, leider 2 Stunden Fahrt entfernt von mir. Nach gründlicher Planung wurde ein Termin für Anfang Oktober ausgemacht - doch dann kam alles anders. Nur wenige Tage vorher erhielt ich wider Erwarten eine Zusage für einen Studienplatz in Dresden - weit weg von Zuhause und auch von Dortmund. Der Piercingtermin platzte, weil ich mir in kürzester Zeit eine Wohnung und ein Plätzchen für mein Pony suchen musste, und nur eine Woche später wohnte ich bereits in Dresden. Das Stechen des Triangles rückte erst einmal in weite Ferne.
Vor Kurzem wurde dann mein Pony krank. Der Tierarzt riet mir dazu, sie ein Vierteljahr lang nicht mehr zu reiten - beste Voraussetzung für einen Zuwachs an Intimpiercings. Doch auch in Dresden fand sich niemand Vertrauenerweckendes, der ein Triangle stechen wollte. Aber ich wusste, dass ich Weihnachten zuhause verbringen würde - in der Nähe von Dortmund. Meine Idee war also, zwei Tage vor Weihnachten über Dortmund nach Hause zu fahren und mir dort schnell mein Triangle verpassen zu lassen - und um die Gunst der Stunde ( also erfahrene Piercerin und länger nicht reiten) zu nutzen, wollte ich mir auch gleich noch zwei mal die äußeren, zwei mal die inneren Schamlippen sowie ein Fourchette piercen lassen. Und irgendwie schaffte ich es sogar, das Ganze zu organisieren. Mein Freund, den ich in Dresden kennen gelernt hab - selbst nicht gepierced, aber verliebt in jedes bisschen Metall, das ich am bzw im Körper trage - war zum Glück so lieb, mich zu begleiten. Im Nachhinein war es eindeutig die richtige Entscheidung, ihn als seelische Unterstützung mitzunehmen.
Am Morgen des 22. nahm ich mir viel Zeit, zu duschen und unten rum alles in Ordnung zu bringen. Hier noch eine Warnung: Seid da bloß vorsichtig mit allem Cremetechnischen, was euch da von unerwünschtem Haarwuchs befreien soll. Ich war leider etwas großzügig, und eine meiner inneren Schamlippen schwoll ziemlich stark an. Den Tag über brannte es wie Sau, zum Glück legte sich das den langen Weg bis Dortmund (über 500 km) wieder soweit, dass dem Piercing dennoch nichts im Wege stand.
Um halb fünf Uhr abends kamen wir per Mitfahrgelegenheit an und wurden glücklicherweise fast direkt vor der Tür des Piercingstudios abgesetzt. Dort warteten wir eine ganze Weile (eine Stunde oder so) auf Andrea, die Piercerin, während ich immer nervöser wurde. Nachdem ich in einem Erfahrungsbericht darüber gelesen hatte, hatte ich panische Angst, beim Piercen unabsichtlich pinkeln zu müssen. Ich rannte also im 10-Minuten-Takt auf die Toilette und zappelte die restliche Zeit auf dem Sofa herum, während mein Freund vergeblich versuchte, mich anzulenken. Um halb sechs erschien Andrea endlich, traf die letzten Vorkehrungen und es konnte endlich losgehen.
Wie schon zuvor kam ich mir einfach blöd vor, mich vor anderen Leuten auszuziehen, während die ihre Sachen anbehielten. Aber das Ausziehen war nichts gegen diesen komischen Stuhl, in den ich mich setzen musste. Meine Beine wurden auf Halterungen abgelegt und plötzlich hatten alle Umstehenden einen hervorragenden Blick auf meine Geschlechtsteile - ich kam mir ziemlich wehrlos und absolut bescheuert vor. Zum Glück saß mein Freund neben mir (wo er nichts sehen konnte), und Piercerin und Gehilfin waren absolut professionell. Nach einem kurzen Anatomie-Check bekam ich das OK fürs Triangle. Doch die Piercerin riet mir vom gleichzeitigen Stechen von äußeren Schamlippen und Fourchette ab - zum Glück, denn wie sie es prophezeit hatte, sind meine Schamlippen nach unten hin ziemlich angeschwollen - für ein weiteres Piercing wäre da wirklich kein Platz mehr. Grundsätzlich kann ich mir aber eins stechen lassen, ich Glückliche, und so kommt der Erfahrungsbericht dazu etwas später. Vielleicht ja zum nächsten Weihnachtsfest.
Als nächstes wurde jedenfalls desinfiziert und anschließend mit Lidocainspray betäubt. Soweit ich mich erinnern kann, war das auch das Allerekligste an der gesamten Prozedur.
Wir entschieden uns, mit dem Schlimmsten anzufangen. So waren nach ein paar Markierungen zuerst die äußeren Schamlippen dran. Ich zuckte zwar (laut meinem Freund) bei jedem Piercing mächtig zusammen, dennoch waren die beiden ersten nicht wirklich schmerzhaft. Klar hab ich den Stich bemerkt, aber es war wirklich nicht so schlimm, wie ich erwartet hätte. Nachdem die 2 mm Ringe eingesetzt worden waren, ging es weiter mit dem heißersehnten Triangle. Auch hier waren die Schmerzen geringer als angenommen, aber dafür blutete es schön doll (völlig normal, wie Andrea mich beruhigte). Als letztes wurden dann die beiden inneren Schamlippen gelöchert. Ich weiß nicht, ob es am sinkenden Adrenalinspiegel oder der nachlassenden Betäubung lag, aber die beiden taten am meisten weh - jedoch nicht so sehr, dass man von 'nicht auszuhalten' sprechen könnte. Die letzten Ringen wurden eingesetzt, und schon war alles nach kaum 30 Minuten vorbei. Wie immer war mir nicht schwindelig und meinem Kreislauf ging es wunderbar.
Ich bekam eine Einlage und dufte mich - endlich - wieder anziehen. Dann bezahlte ich und verliess das Studio mit Freund im Schlepptau, der ein wenig mitgenommen aber tief beeindruckt war. Das Laufen bis zum Bahnhof war ein komisches Gefühl, aber nicht unangenehm. Ich war aber auch viel zu euphorisch, um Schmerzen zu fühlen. Die kamen erst später am Abend und hielten die ersten paar Tage an, waren aber erträglich. Jetzt, nach genau einer Woche, tut es nur noch selten weh. Es ist aber doch noch sehr angeschwollen und ich versuche, es so wenig wie möglich zu strapazieren. Die Pflege beschränkt sich darauf, dass ich ein Mal pro Tag gründlich dusche und anschließend alles mit Octenisept desinfiziere. Ausserdem halte ich auf Anraten meiner Piercerin beim Pinkeln die Hand vor und nehme Bierhefetabletten (vor allem weil ich Veganer bin, empfiehlt sich aber auch für 'Normalesser').
Jetzt freue ich mich genauso wie mein Freund auf den Tag, an dem endlich der Schmuck meiner Wahl eingesetzt wird und den Moment, in dem ich feststellen kann, ob das Triangle wirklich andere (bessere?) Gefühle beim Geschlechtsverkehr hervorruft. Und natürlich auf das Gesicht meiner Frauenärztin :).
Insgesamt bin ich sehr stolz auf das, was ich mich da getraut habe. Zurückblickend kann ich aber sagen, dass ich mit dieser Erfahrung meine Grenzen noch nicht erreicht habe. Ich habe gedacht, ich würde abbrechen oder müsste zumindest weinen oder schreien, aber nichts dergleichen ist passiert. (Auch gepinkelt habe ich nicht...) Ich merke, wie diese Piercings mir helfen, eine positivere Einstellung gegenüber meiner Geschlechtsteile zu bekommen, und wie ich die Scham verliere, diese zu zeigen. Ich bin stolz auf das da unten, stolz auf die Schmerzen, die ich aushalten konnte und den Mut, den ich aufgebracht habe. Ich habe dieses kleine Geheimnis, hüte es artig und freue mich darauf, den ein oder anderen daran teilhaben zu lassen.
Allen, die vorhaben, sich ein Triangle und/oder gleich mehrere Intimpiercings stechen zu lassen, kann ich nur sagen - macht es. Und macht euch keine Gedanken. Wenn ich das durchstehe, schafft ihr das schon lange!