Langer Weg zum Ziel - aber es hat sich gelohnt!
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Author Jessy
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When Three months ago
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Liebe Community!

Irgendwie muss ich etwas weiter ausholen, denn der Entscheidungsprozess für ein Piercing hat bei mir sehr lange gedauert. Ich bin nämlich in einer sehr prüden, ja fast asexuellen Familie aufgewachsen, alles Intime wurde geflissentlich umgangen bzw. tabuisiert. Ob meine Eltern jemals Spaß am Sex hatten (irgendwie muss da ja was stattgefunden haben, sonst hätte es meine Geschwister und mich nicht gegeben), kann ich wirklich nicht sagen.

Entsprechend habe ich meinen Körper nie als zu mir gehörig wahrgenommen, der Intimbereich war eben etwas Unreines, nach dem Motto: "So 'was tut man nicht". Wahrscheinlich dazu passend war meine erste Beziehung, Sex gab es nur im Dunkeln, einen richtigen Orgasmus konnte (durfte?) ich nicht zulassen. Klar, es war doch schön und neu, aber immer mit dem anerzogenen schlechten Gewissen. So wurde ich immer unzufriedener, trennte mich nach doch langer Beziehung und war dann einige Zeit alleine. In der Zwischenzeit hatte ich dann auch mit professionelle Hilfe einiges aus meiner Vergangenheit aufgearbeitet, was mir zu deutlich mehr Selbstständigkeit verholfen hatte.

Dann lernte ich meinen jetzigen Freund kennen. Mittlerweile hatte ich meine Körperwahrnehmung schon deutlich verbessert, dazu drängte mich mein Freund nicht zum Sex, sondern gab mir das Gefühl, eben nicht nur seine Befriedigung zu erfüllen. Eigentlich unvorstellbar, so hatte ich zum ersten Mal (!) einen Cunnilingulus und den ersten richtigen Orgasmus! Da der direkte Hautkontakt einfach viel schöner ist, wurde
die untere Frisur auch immer kürzer. Aber hier stieß ich schon wieder an meine Grenzen: Beim Gyn hätte ich mich so ganz nackt total geschämt, auch wenn der das in seiner Routine heutzutage wahrscheinlich total normal gefunden hätte!

Beim Skiurlaub in der Sauna sah ich dann vor 3 Jahren erstmals ein sehr dezentes Intim-Piercing, was mich unheimlich faszinierte. Mein "Über-Ich" lehnte es natürlich als "sowas tut man nicht" ab, aber das Bild verfolgte mich und ließ mich nicht mehr los. So stieß ich im Internet auf "bme" und war erstaunt über die vielfältigen Varianten der möglichen Piercings.

Nach Lesen der diversen Erfahrungsberichte wurde der Wunsch nach einem solchen Piercing immer größer. Allerdings wäre der Schritt in ein Piercing-Studio undenkbar gewesen, es schreckte mich nicht der zu
erwartenden Schmerz, sondern schon die Situation fürchterlich ab. Ich kann doch da nicht hingehen und nach einem Intimpiercing fragen?? Trotzdem wollte ich weiter, schließlich bestellte ich mir den Schmuck im Internet.

Durch eine Freundin, die im Krankenhaus arbeitet, kam ich an so eine Plastikkanüle, das Desinfektionsmaterial und Tupfer bekam ich in der Apotheke, so eine "Klemme" gab es auf dem Flohmarkt beim Stand mit den ganzen medizinischen Pinzetten und Zahnarztbedarf. Da ich mich mit Piercing natürlich nie zum Gyn getraut hätte, musste die Aktion also nach dem Routinebesuch stattfinden. Seit damals schwebte mir immer ein horizontales Hood-Piercing vor, zum Glück war meine Anatomie auch dafür geeignet!

Das eigentliche Piercen fand ich dagegen recht unspektakulär, die Aufregung davor war viel größer. Als Ort wählte ich das Badezimmer, falls es doch bluten sollte. Den Schmuck hatte ich bereits in Desinfektonsmittel eingelegt und dann vorher zum Trocknen auf eine sterile Verbandspackung gelegt. Das Desinfizieren der Haut fand ich sehr unangenehm, da doch Alkohol auf die Schleimhaut kam und heftig brannte! Eigentlich hatte ich noch überlegt, die Stelle mit Eis vorher zu betäuben, aber einige Berichte meinen ja, dass dies eher kontraproduktiv wäre, da nur die oberste Hautschicht gefühlloser wäre und der Rest um so mehr schmerzen würde. Da ich beim Arzt beim Blutabnehme etc. keine Probleme habe und mich auch sonst für eher unempfindlich halte, verzichtete ich darauf.

Den genauen Ort für das Piercing hatte ich mir schon mehrfach während meines Entscheidungsprozesses genau angesehen, trotzdem war es schon ein seltsames Gefühl, die Klemme dort anzusetzen. Mit einer Stablampe schaute ich dann noch, ob eine größere Ader zu sehen wäre. Schließlich nochmal (nun etwas vorsichtiger wegen des Brennens...) desinfiziert, dann kam die Nadel. Es ist doch schwer, sich selbst mit einer Nadel zu stechen, auf der Hälfte des Weges hätte mich fast der Mut verlassen. Es war aber mehr die Hemmung weiterzumachen, der Schmerz war gar nicht so schlimm! Als ich dann glücklich durch war, zitterten mir die Hände doch ganz ordentlich, ich war schon erstaunt, wie viel Kraft man braucht, um Haut zu durchstechen. Das Zurückfädeln des Schmucks war noch einmal sehr unangenehm, zumal das Gefummel mit der Klemme mit nur zwei Händen sehr ungeschickt aussah. Dazu zitterten dann meine Hände wegen des Adrenalinschocks immer noch ziemlich.

Geblutet hatte es nicht, die Wunde heilte dank regelmäßiger Pflege und des Eigenurin-Tipps sehr gut! Über das Ergebnis bin ich total stolz, auch wenn ich es z.Zt. keinem anderen (außer meinem Freund) zeigen würde. (Der hatte sich über diese Überraschung total gefreut! Wir hatten im Vorwege mal über Piercings gesprochen und ich wusste, dass er dem offen gegenüberstehen würde, aber von konkreten Plänen wusste er nichts, da ich selbst nicht wusste, ob ich mich trauen würde.) Beim Cunnilingulus ist es eine tolle Bereicherung und auch sonst begeistert mich mein kleiner Ring immer, wenn ich daran denke oder mich betrachte! Momentan bin ich mit meinem einen Piercing erstmal zufrieden, aber wer weiß, was noch so kommt?

Sorry für die langschweifige Schilderung. Aber ich beneide Euch, die so offen in ein Studio gehen können oder sogar Piercing-Partys veranstalten!

Viele Grüße

Eure Jessy


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