WOW - ich habs gemacht! Ein Septum! Mein allererstes Piercing!
At A Glance Author anonymous When It just happened Artist Micha Studio Nightliner Location Berlin Der Wunsch musste eine ganze Weile lang reifen, und als letzten Test habe ich einige Tage vorher einen von diesen Klemmringen in der Nase getragen. Die Dinger sind nicht besonders angenehm, sie drücken auf die Nasenscheidewand und dadurch spürt man sie permanent. Die Optik lässt sich damit zwar ganz gut vorwegnehmen - aber es ist natürlich kein richtiges Piercing. Heute habe ich mir dann endlich ein "echtes" Septum einsetzen lassen. Eine eindrucksvolle Erfahrung. Aber um es vorwegzunehmen: Es war bei weitem nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte.
Nach dem Mittagesssen (lieber den Kreislauf erstmal gestärkt) sollte es passieren. Ausgesucht hatte ich mir das Studio "Nightliner" in Berlin Prenzlauer Berg, von dem ich einige ermutigende Berichte gelesen hatte. Ich wurde nicht enttäuscht: Der Service war sehr angenehm, schnell und vor allem sehr professionell. Ich habe mich hier in guten Händen gefühlt. Ich empfehle das Studio deshalb hier gern weiter (hoffe, das ist in diesen Berichten erlaubt).
Das Gefühl vor dem Betreten des Studios (etwas flau im Magen) und dasjenige nach dem Verlassen (weiche Knie) war in etwa so, wie ich es von Zahnarztbesuchen her kenne. Das Studio machte einen aufgeräumten Eindruck, schien allerdings auf Tattoos spezialisiert zu sein und wirkte auf mich deshalb etwas martialisch. Nicht ganz mein Fall, aber ich war ja nicht hier, um mir ein Tattoo machen zu lassen. Aus dem Hinterzimmer hörte man ein Summen, wohl das Arbeitsgeräusch einer Tätowiermaschine. Der Laden selbst war jedoch an diesem frühen Nachmittag leer, und ich kam sofort an die Reihe.
Am Empfang äußerte ich also mutig meinen Wunsch nach einem Septum. Der Piercer namens Micha musterte mich daraufhin mit prüfendem Blick und grinste etwas. Ich wurde aufgeklärt, dass ich mir für ein Erstpiercing eine ziemlich heftige Aktion ausgesucht hätte. Wir sind dann erstmal zu einer ausführlichen Beratung und "Anprobe" verschiedener Ringe nach hinten in den Behandlungsraum gegangen. Ein dezenter kleiner 1,2mm starker und 10mm breiter Ring gefiel mir schließlich im Spiegel spontan so gut an mir, dass es kein Zurück mehr gab. Genau *der* war es und der musste *jetzt* da rein...
Zuerst wurden die Instrumente vorbereitet, was einige Minuten in Anspruch nahm. Dann ging es los, zum Glück ohne Spannungsbogen durch langen Hickhack mit Ausatmen-Einatmen etcetera. Zu meiner Überraschung sollte das Piercing im Sitzen gestochen werden, nicht im Liegen. Die Nase wurde beidseitig mit einer Jodtinktur versehen, dann setzte Micha eine Zange mit zwei kurzen Röhrchen an. Ich hatte zunächst damit gerechnet, dass die Zange "beissen" würde, sie saß aber ganz locker und diente zur Positionierung. Ich hatte nun einen heftigen stechenden und möglicherweise sogar grenzwertigen Schmerz erwartet, war mir auch nicht sicher, ob ich dabei stillhalten könnte... Das Eindringen der Nadel in die Nasenscheidewand fühlte sich aber ganz anders an, mehr als Druckgefühl denn als Stich, und vom Komfortgrad her eher so wie beim Zahnarzt. Ich finde, das ist auszuhalten, da muss man meines Erachtens kein so großes Theater drum machen. Die Wahrnehmung mag jedoch von Mensch zu Mensch und von Mann zu Frau unterschiedlich sein, vielleicht hat es auch etwas mit der Anatomie der Nase zu tun (ich habe eine relativ große Nase, nicht so ein Organ ganz filigraner Art), und - okay - ich bin dem Teeniealter inzwischen auch deutlich entwachsen... :-) Allerdings merkt man schon, dass sich die Nadel beim Septum einen offenbar ziemlich beschwerlichen Weg bahnen muss. Ich hatte den Eindruck, dass es fast etwas knackt. Das anschließende Einsetzen des Ringes dauerte dann einen Moment. Aufgrund des relativ kleinen Ringdurchmessers war das Einfädeln wohl nicht so einfach. So richtig habe ich das aber gar nicht mitbekommen, weil ich die Augen geschlossen hatte. Die Augen tränten etwas bei der Prozedur, vor allem beim Einsetzen des Ringes.
Dann war es soweit: Der Blick in den Spiegel. Oh je! Ich fand den Ring zu klein und zu weit aus der Nase heraushängend. Nicht wirklich schick. Wir guckten uns beide an und offenbar im selben Moment war zwischen uns klar: Nochmal! Also nochmal von vorn, jetzt mit einem 1mm größeren Ring und etwas höher angesetzt. Das mag für Euch jetzt albtraummäßig klingen, aber entspannt Euch, das ist nicht dramatisch. Lieber nochmal neu, als dauerhaft einen kompromisshaften Ring tragen, mit dem man sich nicht wirklich wohl fühlt.
Durch die höhere Platzierung musste die Nadel jetzt durch den Knorpel, und das schien mir ein ganz schöner Kraftakt zu sein. Micha hat das, trotz der inzwischen durchaus etwas heiklen Situation, sehr souverän erledigt. Dann wieder der Blick in den Spiegel, und - HEY; WOW! *GENAU SO* wollte ich das haben! Ich war total hin und weg von dem neuen Look!
Lesson learned: Beim Septum kommt es auf Millimeter an, und bei einem kleinen Ring ist die Platzierung absolut mission critical!
An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal sehr herzlich bei Profi Micha und seiner Kollegin bedanken (vielleicht lest ihr dies ja?), die meine vielen Anfängerfragen geduldig beantwortet und mir die Angst vor dem Schritt schnell genommen haben. Ich fühle mich wie ein König!