Mein selbstgestochenes Septum
At A Glance
Author Jule
Contact Jule@bme.anon
When Three months ago
Artist ich selbst
Studio zu Hause
Location Brandenburg
Ich bin ein totaler Piercingfan und kann davon gar nicht genug bekommen. Es wird nur auf die Dauer ein sehr teures Hobby. Ich bin 18 Jahre alt (weiblich) und gehe in die 12. Klasse. Ich habe immer das Bedürfnis mich von anderen Menschen abzugrenzen, bzw. durch meine äußeres Erscheinungsbild aufzufallen. Piercen ist zwar mittlerweile weit verbreitet, aber nicht an meinem Gymnasium, welches sich in einer langweiligen Kleinstadt befindet. Ich habe ein Piercing in der Oberlippe (Madonna), in der Unterlippe (Labret), im Bauchnabel, im Ohrknorpel (Tragus), in der Zunge, im Lippenbändchen und ein Intimpiercing (KVP). Davon habe ich Lippenbändchen, Tragus und KVP selbst gestochen, da ich es mir eben nicht mehr leisten konnte zu einem professionellen Piercer zu gehen. Außerdem muss ich immer einen sehr weiten Weg zum Piercingstudio auf mich nehmen, da ich hier echt am PoPo der Welt lebe. Desweiteren gibt mir das Selbstpiercen einen gewissen Adrenalinkick, aber bevor es jemand selbst ausprobiert, muss man sich unbedingt ausführlich darüber informieren, um nichts falsch zu machen!

Nun gefiel mir der Gedanke mir ein Piercing in der Nasenscheidewand selbst zu stechen. Meine Mutter hatte mir mittlerweile verboten, dass ich mir noch mehr Piercings zulege, da sie nicht will, dass ich mein Geld für so sinnlose Sachen ausgebe und es sowieso hässlich wäre. Ihr Verbot hielt mich nur davon ab, mir noch weitere Piercings im Gesicht zuzulegen, aber ich hatte mittlerweile schon ein Bauchnabelpiercing, von dem sie nichts wusste und vom KVP weiß sie natürlich auch nichts. Beim Septum war es deshalb äußerst praktisch, dass man einen eingesetzten Ring nach oben klappen kann, sodass davon nichts sichtbar ist. Also begann ich mein Vorhaben vorzubereiten.

Desinfektionsmittel hab ich seit meinem ersten Piercing immer zu Hause. Im Internet habe ich mir dann bei einem Piercing-Online-Shop eine Braunüle bestellt mit dem Durchmesser 1,7 mm, sodass ich 1,6 mm Schmuck einsetzen konnte. Ich hatte zu Hause noch einen unbenutzten PTFE-Ring (das ist, um es mal banal auszudrücken, ein Material aus Plastik) rumzuliegen, der sich für die Verheilungsphase prima eignete, da ich diesen, um ihn meiner Nase anzupassen, zurecht schneiden konnte und er somit beim Nachobenklappen nicht störte. Einen richtigen, ansehnlichen Titanring wollte ich eh nur am Wochenende auf Party einsetzen, da ich das ganze ja vor meiner Mutter geheim halten musste.

Ich begann damit, meine Nasenscheidewand abzutasten, um zu schauen, wo der Knorpel beginnt, da ich nicht durch diesen durchstechen wollte. Ich hatte dann den richtigen Bereich ausgemacht und wollte die Einstichlöcher anzeichnen. Dann merkte ich aber, dass mein Blickfeld auf meine Nasenscheidewand eh sehr eingeschränkt ist und dass mir das Anzeichnen nicht wirklich behilflich sein würde. Ich desinfizieret nun meine Nasenscheidewand, den PTFE-Ring, meine Hände und die Braunüle und hoffte, dass ich den Stichkanal gerade hinbekommen würde. Ich setzte die Braunüle auf der einen Seite an und drückte erst mal leicht zu um zu testen, wie groß der Schmerz ist. Dieser erste Einstich tat schon ziemlich weh, meine Nase kribbelte und mir kamen die Tränen. Dann nahm ich aber allen Mut zusammen und drückte weiter bis ich auf der anderen Seite herauskam. Zu meinem Erstaunen, tat das Durchstechen kaum noch weh. Ich zog die Nadel raus und hatte nur noch das Plastikröhrchen in meiner Nase zu s tecken. Ich steckte die eine Seite des PTFE-Rings in das Röhrchen und zog es dann heraus, sodass der Ring gleichzeitig in den Stichkanal reingezogen wurde. Das tat dann noch etwas weh, war aber halb so schlimm. Ich hatte mittlerweile schon schwitzige Hände und als ich das Ergebnis sah, war ich vor Freude noch aufgeregter als vorher. Dieser PTFE-Ring ist zwar nicht sonderlich ansehnlich, jedoch war das Gefühl zu wissen, dass ich ein Loch in der Nasenscheidewand haben, großartig. Es war zwar nicht 100%ig gerade, aber das war nicht sehr auffällig. Dann klappte ich den Ring hoch und somit war nichts mehr von meinem neuen Piercing zu sehen.

Die Verheilungsphase verlief recht unproblematisch, jedoch war es sehr schmerzhaft, wenn ich an meine Nase herangekommen bin. Aber wenn man Koalitionen mit der Nase vermeidet, merkt man nicht viel von diesem Piercing. Mittlerweile habe ich mein Septum seit 2 Monaten und es ist komplett verheilt. Wenn ich am Wochenende einen kleinen Titanring trage (meist ein Circular Barbell, Durchmesser: 8 mm), ziehe ich viele Blicke auf mich. Es ist zwar nur ein kleiner Ring, da ich große Ringe in dem Gesicht eines Mädchens nicht gerade sehr ansehnlich finde, aber er zieht viel aufmerksamkeit auf sich. Oft setze ich auch ein Barbell ein, sodass die zwei Kugeln aus der Nase hervorblitzen.

Ich hab mir schon überlegt, wo ich mich als nächstes piercen werde. Ich bin zum Entschluss gekommen, dass ich mir die Brustwarze vornehme und werde mein Vorhaben heute verwirklichen. Darüber werde ich dann wahrscheinlich auch noch einen Erfahrungsbericht schreiben.

Noch ein Pflegetipp für's Septum: Ich habe meine Nase einmal täglich für 10 Minuten in eine warme 9%ige Kochsalzlösung gehalten. Sieht zwar blöd aus, hilft aber gut!


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