Mein erstes Piercing... Septum!
At A Glance
Author Sternchen
Contact Sternchen@bme.anon
When A month ago
Location Wien
Okay, ich wollte also schon immer mein Septum piercen lassen, solange ich mich zurück erinnern kann. Irgendwas ist mir jedoch immer in die Quere gekommen. Entweder hatte ich kein Geld, mein Chef in der Arbeit hat aufgemuckt, und sogar meine Eltern wollten mich enterben. Letzten Endes war das auch der Grund, warum ich mich für Septum entschieden habe. Den Ring kann man hochklappen und leicht verstecken. Da kann sich auch mein Chef nicht beschweren, und auch bei Familienfeiern bin ich weiterhin ein willkommener Gast.

Eines Nachmittags saß ich also mit meiner besten Freundin zusammen und dachte mit ihr gemeinsam nach, was wir am Abend so anstellen könnten. Und plötzlich hatte sie die brillante Idee, "Warum lässt Du Dir nicht heute Nacht dein Piercing machen? Mach Dir einfach nen Retainer rein und in zwei Wochen, bevor Du in Urlaub gehst wechsel es mit einem Ring aus." Eine gute Idee. Am Abend setzten wir uns ins Auto und fuhren zu dem Studio, wo sich auch meine Freundin ihres hatte machen lassen und den Piercer kannte. Dieser hatte zwar die Nacht frei, aber seine Assistentin war da. Das war mir persönlich sowieso lieber, dass ne weibliche Person an mir rumfummelt als ein Mann, auch wenn es nur die Nase war.

Zuerst musste ich also ein Formular, oder besser, eine Erklärung unterschreiben, die offensichtlich alle rechtlichen Aspekte abdeckt. Ich bin mindestens 18 Jahre alt oder habe einen Erwachsenen bei mir, der für mich unterschreibt wenn ich noch minderjährig bin, ich werde niemanden verklagen, und so weiter. Danach betrat ich also mit ihr den kleinen aber sauberen Piercing-Raum. Sie wies mich an, mich hinzulegen. Meine Freundin musste draußen warten, sie durfte nicht mit hinein, Regeln sind Regeln hat uns die Piercerin gesagt. Ich legte mich also nieder und sie erklärte mir die Prozedur. Aber ich war zu aufgeregt. Ich habe kein Wort von dem verstanden, was sie gesagt hat, nur "Blah Blah Blah". Dann prüfte sie meine Nase. Und dann noch mal. Und noch mal. Nach etwa zehn weiteren Überprüfungen hat sie sich dann bereit gemacht. Zuerst hat sie sich die Hände gewaschen, dann hat sie Gummihandschuhe angezogen. Die haben wie Hustensalbe gerochen. Es hat mich irgendwie an eine Verkühlu ng erinnert, die ich vor einiger Zeit hatte. Damals roch es auch nach dieser Salbe in meiner Wohnung. Und damals lag ich auch auf nem Bett und zitterte vor mich hin. "Nicht nervös sein.", sagte sie mir. Das war gar nicht so leicht. Schließlich war sie bereit und fragte mich, ob ich auch bereit sei. Ich nickte nervös. Dann setzte sie so eine Art Röhrchen an der einen Seite meiner Nase an. Und die böse Nadel auf der anderen Seite. Dann zählte sie bis drei und... Schwupp! Und durch war sie. Die Tränen flossen mir aus den Augen obwohl es kein bisschen wehgetan hatte. Es war ein geiles Gefühl, mein Gesicht war wie versteinert vor Aufregung. Jetzt noch den Retainer rein, gezahlt und ein paar Minuten später verließ ich den Laden mit meinem neuen Septum-Piercing!

Ich reinigte das Piercing sehr sorgfältig alle paar Stunden, nur im sicher zu gehen, mit warmen Wasser und Jodlösung. Damals war es zwar noch Frühling aber trotzdem schon überraschend warm für die Jahreszeit und der Schweiß floss in Strömen. Ich wollte keine Infektion riskieren. Am vierten Tag hat mir ein Typ im Zug den Rucksack auf den Zinken geschlagen. Murphys Gesetz. Wenn ich nichts an der Nase hab, dann passiert so was nie. Hat ein wenig geblutet, und ziemlich wehgetan. Meine Nase war dann etwas geschwollen, aber zum Glück ist nichts passiert. Meine Kollegin hat zwar bemerkt, dass die Nase geschwollen ist, aber sie war die einzige. Glück gehabt. Der Retainer klappt auch immer nach unten, ich verbringe meine Zeit im Büro damit, ihn alle paar Minuten wieder hinauf zu klappen. Alle Kollegen wissen von meiner neuen Anschaffung, außer meinem Chef. Vielleicht sag ich's ihm mal, irgendwann mal. Sich die Nase damit zu putzen ist nicht mal so schwer wie ich dachte. Danach reinig e ich immer alles gründlich. In der Nase bohren funktioniert jedoch nicht. Nicht dass ich in der Nase bohre, nur eine kleine Warnung an diejenigen dies tun. Ist auch ein unkonventioneller Weg, sich das abzugewöhnen, denke ich mal.

Es sind jetzt sechs Wochen vergangen, und die Wunde ist großteils verheilt. Ich habe immer fleißig geputzt und desinfiziert, und abgesehen von der Sache mit dem Rucksack ist alles glatt gegangen. Ich fahre Anfang Juli in den Urlaub. Ich habe noch immer den Retainer drin, weil ich noch keinen Schmuck habe und von meiner Freundin wollte ich mir nichts borgen. Sie ist zwar sehr penibel und reinigt immer alles sehr gründlich, aber ich hatte dann doch meine Bedenken. Aber vielleicht finde ich in Italien ja ein paar nette Schmuckstücke für meine Nase. Meine Freundin hat mir diesbezüglich ein paar Tipps gegeben.


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