Mein leider viel zu kurzlebiges Daith-Piercing...
At A Glance
Author Jens
Contact Jens@bme.anon
When Two years ago
Artist James
Studio AK-47
Location Saarbrücken, Germany
Vor knapp 2 Jahren kam ich auf die Idee, mir ein Daith-Piercing zuzulegen, weil es mir mit am besten von allen am Ohr möglichen Piercings gefällt.

Ich entschied mich, es am rechten Ohr machen zu lassen, da mein linkes Ohr schon ziemlich zu war.

Selbstverständlich kam für die Ausführung nur einer in Frage, nämlich der ehrenwerte James M. Boyle, der mich zuvor schon ca. 20 mal perforiert hatte und so mein uneingeschränktes Vertrauen besaß/besitzt.

Nur kurze Zeit nachdem die Idee sich in meinem Hirn manifestiert hatte (wenn ich mir mal was in den Kopf gesetzt habe, dauert es normalerweise auch nicht lange, bis ich es umsetze...), lag ich dann auch schon auf der Matte bei James. Die Formalitäten (Vertrag, Risiken, beruhigt werden und selbst beruhigen) waren mir ja schon hinreichend bekannt und konnten im Eiltempo abgeschlossen werden.

Also ging's dann los. Ich hatte mich für einen 1,2 x 8mm BCR aus Titan entschieden. Nachdem Mr. Boyle alles vorbereitet hatte (worauf ich nicht näher eingehen will, da meine stümperhaften Beschreibungen von den Vorgängen, also Sterilisation etc., wohl nicht diesen gerecht werden würden), setzte er die Zange an meinem Ohr an. Es war nicht so einfach, da hinzukommen, und erforderte einiges an Geschick.

Der folgende Schritt war mir auch nur zu gut bekannt, wobei mir dabei immer etwas flau in de Magengegend wird: die Nadel wurde angesetzt und ich sollte "tief einatmen...und laaaangsam ausatmen". Bei letzterem küsste die Nadel die Knorpelfalte im Innenohrbereich, nur um sie den Bruchteil einer Sekunde später brutal zu durchbohren!

OK, eigentlich hat es nur etwas gezwickt, ich war das Prozedere inwzischen ja gewohnt und mehr oder weniger gleichgültig gegenüber dem nicht gerade exorbitant hohen Schmerz.

James zog den Schmuck dann durch, was noch mal etwas brannte, und machte alles schön sauber. Ich blieb noch einen Moment lang liegen und entspannte mich, dann stand ich auf und bewunderte meine neue Errungenschaft.

Die Pflegehinweise kannte ich sowieso schon auswendig und setzte diese auch wie immer gewissenhaft um. Das heißt: zweimal am Tag Verkrustungen entfernen, mit Kochsalzlösung reinigen und mit Octenisept desinfizieren. Kein Problem.

Einige Zeit lang ging alles ganz gut mit dem Daith, nach ca. 2 Wochen konnte ich wieder ohne Probleme auf dem Ohr schlafen und es war alles eitel Sonnenschein. Es hatte sich zwar eine kleine Knorpelwucherung gebildet, doch da das bei meinen Ohrknorpelpiercings normal ist, machte ich mir keine Sorgen. Bisher war jedes Piercing gut verheilt und die Wucherung nach einer gewissen Zeit zurückgegangen.

Irgendwann war diese dann auch weg, und ich wechselte den Schmuck, da ich den Ring für ein anderes Piercing brauchte. Ich machte mir dann einen gebogenen Stab, den ich mal in der Augenbraue hatte, rein. Die Größe war 1,2 x 10 mm, Material Titan.

Doch allmählich fing das Ohr an, beim Schlafen oder bei Kontakt wieder weh zu tun. Ich inspizierte es genau, die Stelle war öfters leicht gerötet, und bald fiel mir dann auf, dass der Schmuck gewandert, also nicht mehr an der ursprünglichen Stelle war.

Ich machte mir aber keine größeren Gedanken darüber und intensivierte lediglich die Pflege wieder.

Das Piercing brannte aber von Tag zu Tag mehr, was ich seltsam fand , da es ja eigentlich schon abgeheilt sein musste nach ca. 2 Monaten. Ich beriet dies mit James, und er meinte, wenn es noch mehr wandern würde, müsste ich es rausnehmen, da es sonst ganz herauswächst und eine Narbe zurückbleibt.

Ich unternahm aber vorläufig nichts, und der Schmuck ging immer mehr nach rechts, bis er irgendwann nur noch komisch am Rande des Daith rumhing. Da es ziemlich weh tat, ging ich erneut zu James, und wir stimmten damit überein, dass es besser wäre, es zu entfernen.

Gesagt, getan, es dauerte auch nicht besonders lange, denn gerade, als mein geschätzter Piercer die Kugel rausdrehen wollte, hatte er auch schon den ganzen Schmuck in der Hand. Er fiel einfach raus.

Weh getan hat es überhaupt nicht, da es ja schon sehr weit gewandert war, es war nur etwas deprimierend, ein Piercing so zu verlieren, da ja jedes etwas besonderes ist und man es nicht so einfach aufgeben möchte.

Seitdem ziert mein rechtes Innenohr eine kleine längliche Narbe, die mich immer daran erinnert, dass da mal ein sehr schönes und, in Deutschland jedenfalls, auch recht ungewöhnliches Piercing war, das auf tragische Weise verschied.

Ich nehme es aber nicht so schwer, da mir ja immer noch 25 andere Piercings bleiben und ich ja auch immer noch die Möglichkeit habe, es am anderen Ohr nochmals mit dem Daith zu probieren.

Inzwischen musste ich auch ein Piercing am oberen Helix am linken Ohr entfernen, da es herauszuwachsen drohte. Ich hoffe doch, dass dies bei mir nicht zur Gewohnheit wird, da ich doch sehr an meinen Ohrpiercings hänge (und sie an mir). Ich denke doch, dass die Gefahr bei den allermeisten nicht besteht, da diese schon lange lange Zeit abgeheilt sind.

Jedes meiner Piercings hat Überwindung, Zeit, Pflege und Geld gekostet. Also hoffe ich mal, dass sie in Zukunft auch dort bleiben, wo sie hingehören.


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