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At A Glance
Author anonymous
Contact anonymous@bme.anon
IAM marco
When Two years ago
Location germany
Alles begann im Jahr 1999: Seitdem ich an einer großen Universität studiere, sehe ich täglich viele Leute mit unterschiedlichsten Styles und Erscheinungsbildern. Unter anderem sind mir damals einige wenige aufgefallen, die ihre Ohrläppchen gedehnt haben - so etwas hatte ich in natura nie gesehen, höchstens mal auf Fotos oder in Fernsehreportagen.

Irgendwie übte das ganze eine große Faszination auf mich aus, so dass ich gerne mehr darüber wissen wollte. So holte ich mir einige Infos aus dem Internet und stieß damals erstmalig auf bmezine. Mit der Zeit war ich immer mehr fasziniert von gedehnten Ohrlöchern und es entstand der Gedanke, wie ein solches gedehntes Piercing denn an mir selbst aussehen würde.

Ich habe sehr lange überlegt, viele Erfahrungsberichte gelesen und mir alle Probleme und Vorzüge fast zwei Jahre durch den Kopf gehen lassen. Wie würde meine Umwelt darauf reagieren? Hätte ich später berufliche Probleme zu befürchten? Bestehen medizinische Risiken? Am Ende siegte jedoch die Begeisterung.

Anfang 2001 entschied ich mich, mir mein linkes Ohrläppchen piercen zu lassen, später auf 10mm aufzudehnen und einen Fleshtunnel bzw. Eyelet einzusetzen. Da ich damals piercingmäßig noch völlig unberührt war, ging ich in das nächstgelegene Tattoo- und Piercingstudio in meiner Stadt und erzählte denen von meinem Wunsch. Zunächst war der Piercer sehr überrascht, dass mein erstes Loch mit einem Tunnel gedehnt werden sollte – das war mir aber egal. Dann schlug er mir vor, das Loch in meinem Ohrläppchen mit einer dicken Nadel zu stechen, dann mit einem Taper auf 3,5mm aufzudehnen und mir schließlich einen Fleshtunnel aus Titan in der gleichen Größe einzusetzen. Da mein Ohrläppchen damals aber nicht gerade sehr groß war, verschoben wir die Durchstichstelle etwas nach oben, so dass noch genügend Gewebe darunter vorhanden war.

Nun wurden Werkzeuge und der Fleshtunnel im Autoklav sterilisiert. Mit einer Sponge-Klemme fixierte der Piercer mein Ohrläppchen und stach die Nadel an der zuvor markierten Stelle durch. Der eigentliche Stich der Nadel durch mein lobe war eher ein Druckgefühl als ein Schmerz. Anschließend zog er die Nadel heraus und schob den Taper nach, um das Loch sofort auf die gewünschten 3,5mm zu erweitern – in der frischen Wunde war das schon ziemlich unangenehm. So war ich froh, als der Tunnel eingesetzt war und sich der Schmerz wieder in ein Druckgefühl wandelte. Seltsamerweise ist bei der ganzen Aktion kein Tropfen Blut geflossen, so dass schon Parallelen zu einem Zombie gezogen wurden. Nach dem Verlassen des Piercingstudios dachte ich dann, dass nun alle Freunde und Bekannten auf mein linkes Ohr starren. Aber schnell wurde mir klar, dass ein 3,5mm kleiner Tunnel so unauffällig ist, dass er überhaupt nicht bemerkt wird.

Die nächsten zwei Monate habe ich die Wunde um den Tunnel mit Wund- und Heilsalbe versorgt und den Schmuck leicht bewegt, aber nicht gedreht. In der ersten Woche eiterte es minimal, aber das war nicht weiter tragisch. Danach habe ich den Tunnel erstmals herausgenommen und die Wunde von innen gereinigt. Insgesamt war alles schnell und ohne Probleme abgeheilt, jedoch wartete ich zur Sicherheit noch.

Während dieser Zeit besorgte ich mir ein SSS flared eyelet in 5mm mit einem O-Ring auf der Rückseite. Nach Entfernen meines ersten Titan-Fleshtunnels versuchte ich das eyelet erfolglos in das mittlerweile verheilte Loch zu pressen. Von 3,5mm auf 5mm klappte das ohne Taper nicht. Also nahm ich kurzerhand zu Hause eine 4mm dicke Stricknadel, sägte die Spitze auf ca. 2cm ab und hatte einen selbstgebauten Taper, den ich mir erfolgreich mit Vaseline durch das Loch schob. Damit bin ich (während der Ferien) etwa eine Woche ohne Probleme herumgelaufen und habe die Stricknadel auch beim Schlafen drin gelassen. Später, nach einem warmen Bad und mit Vaseline konnte ich mir dann mein eyelet in 5mm durchschieben. Nach weiteren 4 Wochen habe ich mir mein Ohrläppchen mit einem Dehnungsring auf 8mm geweitet und wieder gewartet.

Um dann endlich auf die gewünschten 10mm zu kommen musste ich mir wieder einen taperähnlichen Gegenstand suchen. Dabei stieß ich auf den Schaft eines Kugelschreibers, der sich prima dazu eignete. Den Kugelschreiberschaft hatte ich nur kurz im Ohr, da ich den Tunnel sofort hinterher geschoben habe. Mein ursprüngliches Ziel war damit erreicht und ich war erst mal zufrieden.

Während den anderen Leuten mein Ohrloch immer größer vorkam, erschien es mir mit der Zeit immer kleiner und ich verwarf mein bisheriges Ziel von 10mm und dehnte es weiter auf 12mm auf. Das eyelet tauschte ich dann gegen einen 12mm Plug aus Büffelhorn und war damit glücklich.

Gedehnte Ohrlöcher sind hier in Deutschland eher selten anzutreffen, daher denken viele Leute, dass es eine optische Täuschung sei, besonders bei kleineren Durchmessern. Natürlich gesellen sich dazu auch die üblichen Fragen: Tut das weh? Wie funktioniert das? Geht das wieder zu? usw.

Insgesamt habe ich keine Probleme bekommen, weder mit Freunden und Bekannten, noch mit meinen Eltern. Daher bin ich zufrieden und habe meine Entscheidung nie bereut.

Rückblickend empfehle ich allerdings das Dehnen mit Stricknadeln und Kugelschreibern nicht nachzumachen. Diese lassen sich nie richtig säubern und können das gedehnte Gewebe reizen. Entzündungen, Vereiterungen, etc. sind dann im schlimmsten Fall die Folgen!

Vielen Dank fürs Lesen und Gruß an alle bme-user!


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