At A Glance Author alaun Contact alaun@bme.anon IAM alaun When Six months ago Artist Nube Studio Downtown Tattoo & Piercing Location Bremen Weil ich mit den Piercingstudios in Oldenburg nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht hatte, suchte ich im Netz nach Alternativen in Norddeutschland. Im Tattoo und Piercing Forum wurde ich schließlich fündig: Dort wurde Downtown Tattoo & Piercing in Bremen empfohlen. Um mir das Studio mal näher anzusehen, bin ich eines sonnigen Juninachmittags nach Bremen gefahren - und musste erstmal ziemlich lange suchen, bis ich es gefunden hatte. Nachdem ich bestimmt 20 Minuten lang um den Bahnhof herumgeirrt war, stand ich dann endlich vor der richtigen Tür.
Drinnen war gerade nichts los, sodass ich Piercerin Nube in aller Ruhe mit Fragen löchern konnte: Benutzt ihr einen Autoklaven? Kann ich mal die Sporentests sehen? Mit welcher Nadelstärke stecht ihr Ohrknorpelpiercings? Wie lange dauert die Heilung? usw. Nube nahm sich viel Zeit, um meine Fragen ausführlich zu beantworten. Sie zeigte mir auch bereitwillig den Raum mit dem Autoklaven und die Sporentests (einziger Minuspunkt: der aktuellste Test war schon drei Monate alt). Weil ich mich so gut aufgehoben fühlte, entschied ich mich spontan, mir gleich ein Snug-Piercing stechen zu lassen.
Ich hatte schon des Öfteren gehört, dass Ohrknorpelpiercings besser verheilen, wenn sie mit einer Nadel gestochen werden, die größer als der eingesetzte Schmuck ist. Wir haben uns deshalb auf einen Barbell aus Titan in 1,2mm und eine Nadel in 1,5mm geeinigt. Während Nube im Piercingraum alles vorbereitete, hatte ich Gelegenheit, mir im kleinen aber gemütlichen Vorraum die Portfolios der Tätowierer anzusehen.
Nach einigen Minuten rief sie mich dann nach hinten. Der Piercingraum ist zwar auch recht klein, wirkt durch eine zur Hälfte verspiegelte Wand aber geräumiger. Vor den Spiegeln steht eine Liege, auf der ich zum Anzeichnen der Position Platz nahm. Bis zu diesem Moment war ich mir noch gar nicht sicher, wo genau ich das Piercing haben wollte. Nube zeigte mir die Stelle, die sie ausgesucht hatte, in einem Handspiegel. Sie lag ziemlich genau in der Mitte des Ohrs und verlief waagerecht. Das gefiel mir aber auf Anhieb, und es konnte losgehen.
Ich legte mich hin ("Damit du nicht auf mich drauffällst, falls dir schwindlig wird!"), und Nube setzte die Klammer an. Dabei stellte sie fest, dass die Markierung auf der Innenseite nicht weit genug im Ohr lag und musste deshalb nochmal neu anzeichnen. Ich gab wieder mein OK, und wieder kam die Klammer. Das fühlte sich zwar recht unangenehm an, tat aber noch nicht wirklich weh. Nube ließ mich ein paar Mal tief durchatmen, damit ich mich entspannen konnte. Mittlerweile war ich ein wenig nervös geworden, aber auch sehr gespannt. Schließlich war dies seit meinem letzten Ohrläppchen-Piercing etwa zehn Jahre zuvor mein erstes Piercing, und ich konnte mich schon kaum mehr darna erinnern, wie es sich anfühlt, gepierct zu werden. Die Atemübungen halfen mir über die Nervosität hinweg, und beim dritten Ausatmen kam der Stich. Ich war erstaunt, dass es sich eher wie starker Druck und gar nicht wie ein Nadelstich anfühlte. Schnell wurde mein ganzes Ohr sehr warm, und das Einsetzen des 10mm langen Barbells nahm ich kaum wahr.
Ich blieb noch einen Moment lang liegen um sicher zu gehen, dass mir mein Kreislauf keinen Streich spielen würde. Im Sitzen konnte ich danach zum ersten Mal mein neues Schmuckstück bewundern: Ich war sofort begeistert! Nube gab mir noch einige Tipps zur Pflege und eine Salbe mit Chlorhexidin und Bepanthenol mit auf den Weg, ich zahlte 30 Euro und verließ glücklich lächelnd das Studio.
In der ersten Woche benahm sich mein Piercing vorbildlich: Die Schwellung ging schnell zurück, es bildeten sich kaum Krusten, und nach wenigen Tagen tat es auch nur noch weh, wenn ich aus Versehen dagegen stieß oder zu heftig umarmt wurde. Zweimal täglich weichte ich die wenigen Krusten in warmer Salzwasserlösung ein und trug hinterher die Salbe auf. Auch wenn es schwer fiel habe ich nicht auf der rechten Seite geschlafen, um möglichst keinen Druck auf das Piercing auszuüben.
In der zweiten Woche bildete sich dann leider eine kleine eitergefüllte Blase an der Innenseite des Piercings, die bis heute nicht ganz verheilt ist. Weder heiße Kompressen, Teebaumöl noch Tyrosur Gel konnten Abhilfe schaffen. Die Blase wurde mit schöner Regelmäßigkeit größer, platzte auf, schrumpelte wieder zusammen bis sie fast völlig verschwunden war, und fing dann wieder an zu wachsen. Weil ich mir Sorgen machte, dass sich das Piercing vielleicht infiziert haben könnte, und ich keine Infektion des umliegenden Knorpelgewebes riskieren wollte, ging ich nach einigen Wochen damit zum Hautarzt. Keine gute Idee! Dem Arzt merkte man sofort an, was er von Piercings hielt: gar nichts. Er behauptete auch nach nur einem flüchtigen Blick auf mein Ohr, dass das Piercing infiziert sei und der Schmuck sofort herausgenommen werden müsse. Als ich vorsichtig nachfragte, ob dann nicht die Gefahr einer Abszessbildung bestünde (man lernt ja so einiges auf BME), wusste er scheinbar gar nicht wovon ich spreche. Natürlich habe ich den Barbell drin gelassen.
Nach intensiver Recherche im Internet war ich bald davon überzeugt, es mit einer ganz gewöhnlichen Eiterbeule zu tun zu haben, und keineswegs mit einer Infektion. Daher beschloss ich, das Piercing vorerst ganz und gar in Ruhe zu lassen, und siehe da: mittlerweile ist die Blase fast verschwunden.
Hin und wieder bilden sich auch jetzt (nach über sechs Monaten) noch Krusten, und das Piercing reagiert äußerst empfindlich auf Druck. Seit ich es in Ruhe lasse, erholt es sich aber schon deutlich besser, und ich bin guter Dinge, dass es bald völlig verheilt sein wird.