Hallo!
At A Glance Author anonymous Contact anonymous@bme.anon When Six months ago Artist Cathi Studio Taboo Location Rostock, Deutschland Ich möchte euch nun erzählen, wie ich zu meinem Industrial kam und welche Erfahrungen ich damit gemacht habe.
Für alle, die nicht wissen, was ein Industrial ist: Das ist ein Piercing, bei dem mehrere Löcher mit einem Stab verbunden werden, meistens im oberen Knorpelbereich des Ohres (Helix), kann aber z.B. auch n Helix und n Conch verbinden. Naja, ihr seht es ja auch auf den Bildern von BME.
Dieses Piercing fand ich sofort total faszinierend, als ich es mal bei einem anderen Mädchen gesehen hab und da kam der Wunsch, so etwas auch zu haben, bei mir zum ersten Mal auf, allerdings hab ich mir zuerst das Septum stechen lassen und dann auch ne WEile lang gar nix mehr, schon allein aus Geldgründen.
Allerdings war dann bei einer Piercerin in unserer Stadt, die auch recht beliebt ist (Cathi von Taboo) eine Aktionswoche, alle Piercings zum halben Preis, naja und da hab ich das doch gleich mal genutzt.
Wollte mir eigentlich gleich noch n Vertical Labret stechen lassen, aber das macht sie nicht, damit hatte ich auch gerechnet. ALso nur Industrial.
Ja, ich hab mich dann also erstmal aufklären lassen über die Nachpflege usw. und musste einen Vertrag unterschreiben, dass ich es reinigen werde (mit Octenisept oder Kamillan oder so) und dass ich nach einer Woche zur Nachkontrolle komme, ja und dann gings in den Piercingraum.
Zuerst haben wir beide geguckt, wo das Piercing langgehen soll, also das Ohr wurde ausgemessen und geguckt, wo die Löcher sein sollen. Dies hat schon ne Weile gedauert, aber diese Zeit sollte man sich ja auch nehmen.
Dann hat sie mich gefragt, ob ich eine Betäubung mit Eisspray möchte. Eigentlich bin ich gar nicht für Betäubung, aber irgendwie hat sie mich dann davon überzeugt, dass es alles unkomplizierter macht und ich hab eingewilligt. (Seit wann überreden Piercer den Kunden zu Betäubungen...) Naja, ich fand es ok, aber das muss jeder selbst wissen.
Joa, der Schmerz war schon recht unangenehm, schon allein durch die Kälte des Eissprays, es war nicht schlimm, nur unangenehm halt. Es wird ja auch recht langsam gestochen, da der Winkel genau stimmen muss. Bei mir wurden auch gleich beide Löcher mit einem Titanstab verbunden, allerdings kann ich das echt nicht empfehlen, hab mir später auch zwei separate PTFE-Stäbe eingesetzt.
Als es gestochen war, hab ich mich erstmal total gefreut und im Spiegel bewundert. Mein Ohr war natürlich knallrot und heiß und aufm Nachhauseweg war der Wind schon sehr unangenehm, aber alles in allem wars ok.
Hab mir dann auch am nächsten Tag Octenisept und Kamillan gekauft und das Piercing immer erst mit Octenisept eingesprüht, dann mit nassen Wattestäbchen gereinigt, dann Kamillan drauf getan und den Stab bewegt und dann nochmal Octenisept und den Stab bewegt. Mag man vielleicht für zuviel halten, aber es geht ja eigentlich auch stark darum, ob man n gutes Gefühl dabei hat und so fand ichs halt am besten. Nachher hab ich dann immer entweder das Octenisept oder das Kamillan weggelassen.
Jaa... mit dem Schlafen war das schon ziemlich kompliziert, weil man einfach nach ner Weile unbedingt auf der Seite mit dem gepiercten Ohr schlafen WILL.. :) ICh hab mir dann immer ein Kuscheltier oder hartes Kissen unter den Kopf oberhalb des Ohres gelegt, so dass das Ohr freilag, das ging schon. Aber man kriegt total verspannte Muskeln, weil man ständig unentspannt schläft und das ja auch nach Monaten noch nicht besser ist.
So weit so gut, in den ersten Wochen lief alles bestens, aber irgendwann merkte ich, dass sich wildes Fleisch bildet. Man bleibt irgendwie auch ständig an dem Stab hängen, weil ja zunächst ein längerer eingesetzt wird und dann ist es eben auch nicht gut, dass beide miteinander verbunden sind, wegen der Hebelwirkung oder so. Bin dann nochmal zui meiner Piercerin wegen dem Wildfleisch, die hat mir dann Tyrosur empfohlen, aber ansonsten mich damit ziemlich allein gelassen. "Manche sind halt n bisschen veranlagt dafür."
Durch paar Piercing-Foren wusste ich aber, dass separate Teflon-Stäbe besser sind, also hab ich mir gleich welche gekauft und Tyrosur auch. Damit wurde es sofort viel besser. Das wilde Fleisch auf der Unterseite hab ich ständig aufgepult, bis es geblutet hat, was natürlich nicht gut ist, aber dadurch ging es weg. Das auf der Oberseite war kleiner, so dass mein Fingernagel keinen Angriffspunkt hatte, aber das ging nachher von alleine weg. Also ihr braucht nicht kratzen und pulen, auch wenn man Panik bekommt, dass es so bleibt. In den meisten Fällen geht es von alleine wieder weg, wenn die Ursache der mechanischen Reizung beseitigt wurde. Ich würde es niemandem empfehlen, da der Schuss auch nach hinten losgehen kann und sich z.B. ne fette Entzündung bildet. Bei mir wars einfach so, dass ich nicht anders konnte, so wie Fingernagelkauen, aber man sollte es nicht tun.
Als sich mein Ohr total gut erholt hat und es kaum noch weh tat und das wilde Fleisch weg war hab ich wieder den langen Titan-Stab eingesetzt und siehe da, es wurde wieder schlechter. Ich bin dann zur Piercerin gegangen und hab mir den kürzeren Stab einsetzen lassen und dadurch ging es wieder.. Also wartet nicht zulange, bis ihr den kurzen Stab einsetzen lasst, es entlastet das Ohr sofort.
Ja, nun hab ich mein Industrial ungefähr 6 Monate und es ist schon ziemlich gut verheilt, tut nur noch n bisschen weh. Es ist ein Piercing, mit dem man ziemlich Geduld haben muss. Vielleicht sollte man es punchen lassen, das hat ja dann statt 3-6 Monaten ne Verheilzeit von 3-6 Wochen oder so. Allerdings weiß ich nicht, wie das dann mit Akupunkturpunkten ist, die dann entfernt werden. Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.
Jedenfalls ist das Industrial ein sehr schönes, interessantes Piercing und ich kann es rein optisch jedem empfehlen! ;)
LG Liz