At A Glance Author Iris Contact Iris@bme.anon IAM alaun When A month ago Artist Meike, Markus und ich selbst Studio Cocoon-Piercing (ehem. Skin & Steel) Location Oldenburg Bevor ich die Bildergalerien von BME entdeckt hatte, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass man Ohrlöcher auch dehnen kann. Zuerst war mir auch gar nicht klar, was da genau auf den Bildern zu sehen war, bis ich dann anfing, die Erfahrungsberichte zu lesen. Die kleineren Ohrlöcher bis etwa 1cm Durchmesser gefielen mir am besten, und bald war ich mir sicher: Das will ich auch! Zuerst machte ich mir noch Sorgen, wie mein Ohr wohl aussehen würde, wenn ich eines Tages doch keine großen Ringe mehr tragen will; ob ich damit wohl Schwierigkeiten hätte, Arbeit zu finden usw. Irgendwann habe ich mir dann aber gesagt, dass es bis zu einer gewissen Größe vermutlich sowieso niemandem wirklich auffallen würde - und bisher war das auch so.
Die Entscheidung war also gefallen: das Ohrloch in meinem linken Ohr (vor etwa zehn Jahren beim Friseur mit der gefürchteten Ohrlochpistole geschossen) sollte auf sechs bis acht Millimeter gedehnt werden. Die drei Löcher im rechten Ohr wollte ich erst einmal so lassen, wie sie waren (sie sitzen auch zu dicht nebeneinander, um das untere wirklich zu dehnen). Jetzt machte mir nur noch der Gedanke an den vielen Schmuck Sorgen, den ich für die Zwischengrößen würde kaufen müssen. Da kam mir das Angebot von Skin & Steel gerade recht: Für eine einmalige Zahlung von 25 EUR würde ich den Schmuck in den kleineren Größen zwischen den einzelnen Dehnschritten geliehen bekommen. Das Dehnen selbst war im Preis auch inbegriffen.
Etwa zwei Monate, nachdem ich die ersten Fotos auf BME gesehen hatte, ließ ich mir dann den ersten "richtigen" Ohrring einsetzen: einen 1,6mm starken Klemmkugelring aus Chirurgenstahl. Vorher hatte ich viel mit meinen alten Silbercreolen herumgespielt, daher glitt der neue Ring problemlos ins Ohrloch. Begeistert, wie glatt sich der Ring im Vergleich zu meinen anderen Ringen anfühlte, nahm ich mir vor, auch für die übrigen Ohrlöcher richtigen Piercingschmuck zu besorgen - aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andernmal erzählt werden.
Im Internet hatte ich unterschiedliche Empfehlungen zur Wartezeit zwischen den einzelnen Dehnschritten gefunden; die Angaben reichten von zwei bis sechs Wochen, je größer der Ringdurchmesser, desto länger die Wartezeit. Meine Piercerin, Meike, meinte allerdings, ich könnte schon nach einer Woche wiederkommen. Zunächst war ich ja etwas skeptisch, aber weil der Ring ja ohne Probleme durch das alte Loch gepasst und beim Drehen auch noch etwas Spiel hatte, ließ ich mir tatsächlich schon eine Woche später den nächsten Ring einsetzen, diesmal mit einer Stärke von 2mm. Auch dieser flutschte durchs Ohr und ließ sich ohne Widerstand drehen.
Zwei Wochen später stand ich wieder vor Meike, und diesmal setzte sie mir einen 2,6mm Segmentring ein. Der hatte den Vorteil, dass er sich endlos durchs Ohr drehen lässt, weil ja keine Kugel dran ist. Das erleichtert das Herumspielen mit dem Schmuck ungemein, und durch häufiges Drehen des Rings dehnte sich mein Ohrloch immer schon etwas von allein. Allerdings benutzte Meike dieses Mal zum Einsetzen des Rings das erste Mal einen Dehnungsstab, weil sich das Ohrloch noch nicht genug geweitet hatte. Das ziepte zwar kurz, tat aber nicht wirklich weh, und nach ein paar Minuten fühlte sich mein Ohrläppchen auch wieder ganz normal an.
Zwar hatte ich mir vorgenommen, vor dem nächsten Dehnschritt etwas länger zu warten, aber dass ich letztendlich fast sechs Wochen würde warten müssen, hatte ich wirklich nicht erwartet. Das kam so: Nach drei Wochen versuchte ich das erste Mal, neuen Schmuck zu bekommen - Meike hatte mir einen 3mm-Tunnel versprochen, durch den man schon hätte durchgucken können. Leider waren keine Tunnel in der entsprechenden Größe da, aber es waren welche bestellt und ich sollte in einer Woche wiederkommen. Eine Woche später stand ich vor dem Piercingstudio und kriegte erstmal einen Schreck: nicht mehr Skin & Steel sondern Cocoon-Piercing stand jetzt an der Tür. Das Studio sei verkauft worden, teilte mir der Piercer Markus mit, und Bestellungen kämen frühestens in einer Woche wieder an. Immerhin würde ich trotzdem weiterhin den Schmuck zum Dehnen geliehen bekommen, wie es mit dem alten Studio abgesprochen war.
Zwei Wochen später waren die 3mm-Tunnel immer noch nicht da, und Markus schlug vor, stattdessen einen 3mm-Ring zu nehmen. Damit war ich einverstanden, und er machte sich daran, mir den Ring mit Hilfe eines Dehnungsstabs einzusetzen. Wieder ziepte es nur kurz, und der Ring war durch. Doch jetzt fing der Spaß erst richtig an: Markus hatte nämlich enorme Schwierigkeiten, den Ring mit Hilfe seiner Zange weit genug zu öffnen, um die Kugel einzusetzen. Immer wieder rutschte er ab oder ließ die Kugel fallen, bis er sich schließlich fluchend in den Nebenraum verzog, von wo ich dann lautes Krachen hörte. Als er sich wieder abgeregt hatte, kam er mit hochrotem Kopf zurück, und nach einigen weiteren Versuchen saß die Kugel dann im Ring. Nicht gerade sehr vertrauenerweckend ...
Zwischendurch war meine erste Bestellung vom BMEshop mit T-Shirts und einer 4mm-Klaue aus Acryl angekommen. Die Klaue benutzte ich, um zu Hause schon mal langsam weiter zu dehnen. Nach etwa drei Wochen nahm ich den 3mm-Ring raus (mit meiner Zange zu Hause übrigens gar kein Problem) und rieb mein Ohr mit Massageöl ein. Ganz langsam schob ich dann die Acrylklaue soweit durch, bis ich auf Widerstand stieß, und wartete dann erstmal eine Weile ab. Im Verlauf der nächsten drei oder vier Stunden schob ich die Klaue immer wieder ein kleines Stückchen weiter, bis schließlich das 4mm breite Ende ganz drin saß. Dabei hatte ich keine Schmerzen, und mein Ohr fühlte sich auch ganz normal an. Am nächsten Tag allerdings schwoll das Ohrläppchen an und es kam etwas Gewebeflüssigkeit aus dem Ohrloch, also nahm ich die Klaue heraus und setzte den kleineren Ring wieder ein. Zwei Tage später hatte sich mein Ohr wieder beruhigt, und als ich diesmal die Klaue einsetzte, ließ ich mir dabei deutli ch mehr Zeit, insgesamt etwa zwei Tage. Diesmal gab es keine Probleme. Ein paar Tage später holte ich mir einen 4mm-Tunnel aus dem Piercingstudio, der gefiel mir zwar nicht so gut, hatte aber den Vorteil, dass er ohne Gummiringe auskommt - die scheint mein Ohr nämlich nicht ganz so gut zu vertragen. Außerdem bekam ich einen Dehnungsstab aus Acryl, ebenfalls leihweise, um zu Hause schon mal (langsam!) auf 5mm weiter zu dehnen.
Natürlich hatte ich mir fest vorgenommen, diesmal länger mit dem Dehnen zu warten und es langsamer angehen zu lassen. Leider ging mir die Geduld schon nach knapp zwei Wochen wieder aus. Der kleine Dehnungsstab, der da so unschuldig in meinem Schmuckkästchen lag, schien mich immer wieder zu rufen ... Immerhin schaffte ich es, diesmal nur ganz langsam auf die 5mm zu dehnen. Obwohl mein Ohrläppchen etwas rot wurde, fühlte es sich recht normal an und hatte sich einige Tage später wieder völlig beruhigt. Mit einem mehrere Zentimeter langen Acrylkegel im Ohr sieht man allerdings etwas albern aus, deshalb holte ich mir bald einen 5mm-Tunnel (und den nächstgrößeren Dehnungsstab) ab. Dabei stellte ich erfreut fest, dass Meike auch in dem neuen Piercingstudio arbeitet - mit ihr komme ich deutlich besser zurecht als mit Markus.
Mittlerweile trage ich einen 5mm-Stecker aus Holz. Holz hat den Vorteil, dass es die toten Hautzellen usw. ähnlich wie ein Schwamm aufsaugt. Dadurch bleibt das Holz schön geschmeidig und man muss sich auch keine Sorgen mehr über den komischen Geruch machen, der manchmal bei gedehnten Ohrlöchern auftritt. Der Stecker wird an den beiden Enden etwas weiter (fast 6mm), sodass ich keine Gummiringe brauche, um ihn festzuhalten. Viele Leute haben mit dieser Art Stecker Schwierigkeiten, weil sie schlecht wieder herauszubekommen sind, wenn sie zu eng sitzen. Deshalb hatte ich vorher eine Weile lang Plugs aus Stahl getragen, die etwas größer als 5mm waren (4ga). Durch ihr Gewicht haben sie das Loch noch zusätzlich gedehnt, und der Holzstecker lässt sich jetzt problemlos einsetzen und herausnehmen.
Fürs Erste werde ich wohl bei 5mm bleiben, langfristig möchte ich aber mindestens noch auf 8mm weiter dehnen. Mittlerweile mache ich mir auch nicht mehr die geringsten Sorgen, dass ich dadurch Probleme bei der Jobsuche bekommen könnte, den meisten Leuten fällt der ungewöhnliche Ohrschmuck gar nicht erst auf. Wenn sie nicht mit etwas Ungewöhnlichem rechnen, sehen sie es einfach nicht. Meine Mutter hat sogar, als ich sie mit der Nase drauf gestoßen hatte ("Guck mal, ich habe einen neuen Ohrring!") noch gedacht, es wäre ein normaler Ohrstecker mit Holzperle drauf ...